Rekonstruktion des Trommelfells und der Gehörknöchelchen (Tympanoplastik und Ossikuloplastik)
Was ist eine Tympanoplastik?
Das Trommelfell trennt den äusseren Gehörgang vom Mittelohr. Ein Loch oder Riss im Trommelfell (Perforation) kann zu Hörminderung, wiederkehrenden Entzündungen und einem unangenehmen Druckgefühl führen, insbesondere wenn Wasser in das Ohr gelangt.
Die Tympanoplastik ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das Loch im Trommelfell mit körpereigenem Gewebe verschlossen wird. Dadurch wird die Funktion des Trommelfells wiederhergestellt und das Risiko von Infektionen vermindert.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Tympanoplastik wird empfohlen, wenn:
- die Trommelfellperforation nach mehr als 3 Monaten nicht von selbst verheilt,
- es zu wiederkehrenden Ohrinfektionen kommt,
- Hörminderung oder Wasserempfindlichkeit besteht,
- oder sich Hautwucherungen (Cholesteatom) am Rand des Trommelfells zeigen.
Ablauf der Operation
- Die Operation erfolgt über den Gehörgang, gelegentlich mit einem Hautschnitt hinter dem Ohr.
- Ein winziges Stück körpereigenes Gewebe (z. B. Bindegewebe oder Fett) wird entnommen und auf die Trommelfellöffnung gelegt.
- Die Ränder des Loches werden leicht angeraut, um die Heilung zu fördern.
- Sind die Gehörknöchelchen beschädigt werden diese in der gleichen Sitzung versucht wieder herzustellen. Dies kann bedeuten das eine winzige Prothese eingesetzt wird.
- Der Eingriff dauert etwa 1 – 2 Stunden und kann ambulant durchgeführt werden.
Erfolgsaussichten
- Bei etwa 85 – 90 % der Patient:innen heilt das Trommelfell vollständig.
- In 5 – 10 % bleibt die Perforation bestehen oder öffnet sich erneut.
- Der Hörerfolg hängt davon ab, ob zusätzlich die Gehörknöchelchen betroffen sind.
Mögliche Risiken
Selten, aber möglich sind:
- Verbleibendes Loch im Trommelfell (5 – 10 %)
- Infektion oder Wundheilungsstörung
- Veränderung des Geschmacks (vorübergehend metallischer Geschmack auf der Zungenseite)
- Verstärkung von Ohrgeräuschen (Tinnitus)
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörung (meist vorübergehend)
Sehr selten (< 1 %):
- Gesichtsnervenlähmung (Facialisparese)
- Verschlechterung des Hörvermögens bis hin zum Hörverlust
Körperliche Schonung
Nach der Operation sollten Sie sich sechs Wochen körperlich schonen und nicht anstrengen. Beachten Sie hierbei folgende Punkte:
- Kein starkes Schnäuzen
- Wenn Sie niesen müssen, versuchen Sie, dies mit geöffnetem Mund zu tun
- Vermeiden Sie eine ausgeprägte Kopftieflage, z.B. Bücken, Schuhe binden
- Kein schweres Heben (>5kg)
Körperpflege
- Sie können 1 Woche nach der Operation die Haare waschen, sofern Sie das operierte Ohr vor eindringendem Wasser schützen. Am besten schützen Sie das Ohr während des Haarewaschens mittels eines grossen Einweg-Plastikbechers
- Duschen Sie maximal von der Brusthöhe an abwärts, es darf kein Wasser in den Gehörgang gelangen (8 Wochen)
- Führen Sie keine Manipulation am operierten Ohr durch
Besonderes
Nach der Operation ist das Hörvermögen aufgrund des Verbandes beeinträchtigt und kann erst nach der Abheilung richtig beurteilt werden. Pochende Geräusche oder wahrnehmbares Wasserglucksen ist normal. Ebenso kann es zu leichtem Schwindel kommen.
Wann und wo müssen Sie sich melden?
Sollten Sie nach der Operation eines der folgenden Symptome haben, melden Sie sich bei Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin. Sollten diese nicht erreichbar sein, melden Sie sich im Spital oder kontaktieren Sie im Notfall 144.
Sofort melden (Notfall)
- Fieber über 40 °C
- Starke Blutung oder eitriger Ausfluss aus dem Ohr
- Starker Schwindel oder Gleichgewichtsstörung
Innerhalb 24 Stunden
- Fieber über 38 °C
- Zunehmende Schmerzen im Ohr oder ums Ohr
- Übelriechender Ausfluss aus dem Ohr
- Mittelstarke Schmerzen trotz Schmerzmittel
Normale Verlaufszeichen
- Leichte Blutspuren oder Krusten am Ohr
- Dumpfes Hören
- Leichter Schwindel
- Pochende Geräusche oder Wasserglucksen
Weitere Informationen
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Tympanoplastik und Ossikuloplastik