Tinnitus Counselling
Gemäss Schätzungen leiden in der Schweiz rund 15% der Bevölkerung unter einem Ohrgeräusch «Tinnitus». Bei ca. einem Viertel dieser Betroffenen kommt es dadurch zu einer Beeinträchtigung des alltäglichen Lebens. Aus diesem Grund ist es wichtig, dieses Beschwerdebild ernst zu nehmen und gegebenenfalls weitere Abklärungen einzuleiten.
Bei der Behandlung stellt sich die Beratung des Betroffenen eine der wichtigsten Massnahmen dar. Das Ohrgeräusch ist von Patient zu Patient unterschiedlich, und so ist auch die Therapie für den behandelnden Arzt/Ärztin, Therapeuten und den Patienten immer wieder eine neue Herausforderung. Mit dieser Broschüre möchten wir Ihnen Hintergrundinformationen über Ursache, Verlauf und Behandlung des Tinnitus erläutern. Ein umfassenderes Verständnis über den Tinnitus ist ein erster wichtiger Schritt in der Therapie und unterstützt die Betroffenen dabei, mit dem Ohrgeräusch besser umgehen zu können. Gerne beraten wir Sie auch weiterführend in unserer Poliklinik- Sprechstunde.
Was ist ein Tinnitus?
Mit dem Begriff «Tinnitus» werden alle Arten von Ohr- oder Kopfgeräuschen, wie z.B. ein Pfeifen, Klingeln, Rauschen oder Zischen zusammengefasst. Diese Geräusche können nur auf einer Seite, in beiden Ohren oder irgendwo im Kopf wahrgenommen werden.
Medizinisch unterscheidet man den subjektiven vom objektiven Tinnitus. Der subjektive Tinnitus ist die weitaus häufigere Form. Diesem liegt eine gesteigerte Erregung entlang der zentralen Hörbahnen oder eine kompensatorische Reakton auf eine gleichzeitige vorhandenen Hörminderung zugrunde. Der Begriff des objektiven Tinnitus beschreibt Ohrgeräusche, die im Körper erzeugt und auf ein/beide Ohren weitergeleitet werden. Diese Form des Tinnitus ist selten und kann durch eine Bildgebung oder andere Untersuchungsmethoden dargestellt werden.
Tinnitus ist häufig und betrifft in der Schweiz ca. 15% der Bevölkerung (Angaben: Schweizerische Tinnitus-Liga). Der Verlauf eines Tinnitus ist sehr individuell, meist handelt es sich um vorübergehende Beschwerden. Ein Tinnitus kann jedoch auch bestehen bleiben und chronisch werden, aber auch noch nach mehreren Jahren verschwinden. Trotz länger andauerndem Tinnitus fühlen sich nur ca. 8% der Betroffenen von ihrem Ohrgeräusch belästigt und nur ca. 0.5% in ihrer Lebensfähigkeit stark eingeschränkt (Angaben: www.tinnitus-schweiz.ch/tinnitus)
Was sind Ursachen eines Tinnitus?
Ein Tinnitus per se ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Durch eine gründliche medizinische Abklärung werden seltene Ursachen ausgeschlossen (siehe objektiver Tinnitus).
Dem subjektiven Tinnitus liegt eine gesteigerte Erregung der zentralen Hörbahnen oder eine kompensatorische Reaktion auf eine gleichzeitig vorhandene Hörminderung (ähnlich einem Phantomschmerz) zugrunde.
Medizinisch werden der akute und der chronische Tinnitus unterschieden. Der akute Tinnitus tritt häufig nach einer Ohrverletzung oder -Erkrankung oder während einer intensiven, belastenden Stresssituation auf. Dauert der Tinnitus länger als 6 Monate, wird er als chronisch bezeichnet. Viele Patienten finden einen guten Weg mit ihrem Tinnitus umzugehen. Ihr Hörsystem gewöhnt sich an das Ohrgeräusch und blendet es aus, so dass sie nicht mehr darunter leiden. Für einige Patienten stellt das Ohrgeräusch jedoch eine Bedrohung dar, was zu Unsicherheit, Angst, Schlaf- und Konzentrationsstörungen führen kann. Diese Patienten bewerten ihren Tinnitus als Bedrohung, wodurch das Geräusch vermehrt in den Fokus ihrer Aufmerksamkeit gerät. Dies wiederum führt dazu, dass sich das Hörsystem nicht an den Tinnitus gewöhnt, diesen nicht herausfiltert und die Belastung für die Betroffenen steigt. Dadurch entwickelt sich ein Teufelskreis zwischen Belastung, Stress und Tinnitus.
Ist ein Tinnitus heilbar?
Ein akuter Tinnitus bildet sich mehrheitlich von selbst zurück.
Ein chronischer Tinnitus wird wahrscheinlich bleiben. Mehrheitlich wird er mit der Zeit gleichmässiger. Obwohl er objektiv in der Regel nicht lauter wird, kann es sein, dass Sie ihn, wenn Sie gestresst oder nervös sind, lauter und störender wahrnehmen.
Bis jetzt gibt es kein Therapieverfahren, welches den Tinnitus sofort beseitigen bzw. ausschalten könnte. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, wie Sie mit dem Tinnitus umgehen können, sodass die Belastung und schliesslich die Beschwerden abnehmen.
Was kann ich tun?
Den ersten wichtigen Schritt haben Sie bereits getan: Die Untersuchung durch einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt ist die Voraussetzung für das weitere Vorgehen. Der Tinnitus und seine Ursachen werden nun abgeklärt um mögliche schwerwiegende Ursachen auszuschliessen. Der Tinnitus wurde von einer Fachperson begutachtet und entsprechende Therapie- Vorschläge gemacht. Sie wissen nun, dass der Tinnitus kein Hirngespinst ist, sondern eine Grundlage hat und auf einer vermehrten Aktivierung Ihres Hörsystems beruht. Bereits durch dieses Wissen verliert der Tinnitus häufig an Stärke und Bedrohung.
An die medizinische Abklärung schliesst sich die Beratung durch den Arzt an. Hierbei ist es vor allem wichtig, dass Sie die Zusammenhänge zwischen Belastung, Stress und Tinnitus verstehen. Nur wenn Sie den Tinnitus nicht als Bedrohung einschätzen, kann sich Ihr Hörsystem langsam daran gewöhnen und mit der Zeit lernen, den Tinnitus auszublenden. Wenn Ihnen Ihr Tinnitus hingegen Angst macht, richtet sich Ihre Aufmerksamkeit automatisch vermehrt darauf. Ihr Körper reagiert gestresst, wodurch sich Ihr Tinnitus zusätzlich verstärkt.
Es ist wichtig, dass Sie versuchen, Ihre Aufmerksamkeit vom Tinnitus wegzulenken und sich zu entspannen. Folgende Ratschläge könnten Ihnen dabei helfen:
- Stille meiden. Umgebungsgeräusche mindern den Kontrast zum Tinnitus, wodurch er weniger wahrgenommen wird.
- Lassen Sie im Hintergrund angenehme Musik laufen, umgeben Sie sich mit natürlichen Hintergrundgeräuschen (z.B. offene Fenster oder Zimmertüren, tickende Uhr, etc.). Ihre Aufmerksamkeit wird dadurch automatisch vom störenden Tinnitus weggelenkt.
- Bauen Sie allfälligen Stress ab, sei dies durch Sport (z.B. Joggen, Schwimmen, Boxen, etc.) oder gezielte Entspannung (z.B. Kinobesuch, Spaziergang, Massage, etc.). Seien Sie sich Ihrer Belastungsgrenzen bewusst und respektieren Sie diese.
- Testen Sie verschiedene Entspannungsverfahren, bis Sie eines finden, das am besten zu Ihnen passt. Versuchen Sie z.B. autogenes Training, oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson (verschiedene Angebote im Internet).
- Besuchen Sie eine Selbsthilfegruppe und tauschen Sie sich mit anderen Tinnitus- Betroffenen aus. Informationen zu Selbsthilfegruppen in Ihrer Region erhalten Sie z.B. via Schweizerische Tinnitus-Liga, Tel: 081 330 85 51 www.tinnitus-liga.ch, info@tinnitus-liga.ch
Doch gilt: Jeder Tinnitus ist anders! Daher gibt es keine Standardbehandlung, die Ihnen den Tinnitus wegnehmen kann. Am meisten können Sie sich selbst helfen, indem Sie versuchen, Ihr inneres Gleichgewicht wiederherzustellen oder zu behalten. Dabei ist alles erlaubt, was Ihnen gut tut und Ihnen dabei hilft, Ihr Leben (trotz) Tinnitus zu geniessen.